Luftaufnahmen, Drohnen und Co.

Auf dieser Seite möchte ich von meinen Erfahrungen im Bereich der Luftbildfotografie und dem Betrieb einer Drohne in Schleswig-Holstein berichten.

Als ich begann mich mit dem Thema zu beschäftigen fand ich mich in einem undurchdringlichen Wald aus Paragraphen, Regelungen und Hörensagen wieder – im Folgenden werde ich versuchen dieses Wirrwarr aufzudröseln und für andere Interessierte verständlich wiederzugeben. Dazu ersteinmal die Prämissen:

  • Als Einstieg in die gewerbliche Luftbildfotografie wählte ich als Arbeitsmaterial die DJI Phantom 4 Advanced + **, entsprechend beträgt die Startmasse circa 1,4 Kilogramm.
  • Der Betrieb sollte prinzipiell an möglichst vielen öffentlichen Orten erlaubt sein.

Flugmodi

  • Der Atti-Modus (= manueller Modus) deaktiviert die Satellitenstabilisierung (bzw. das GPS-Modul arbeitet dann hauptsächlich im Hintergrund und verhindert u.a. das Einfliegen in eine Verbotszone) und versucht die Fluglage der DJI Phantom 4 Advanced stabil zu halten.
    Manchmal wird das Driften der Drohne beobachtet; wenn die Drohne nicht beschädigt ist, dann liegt dieses Driften am Wind, bei sehr geringer Flughöhe spielt auch die Beschaffenheit und Neigung des Bodens eine Rolle.

    Dieser Modus ist für erfahrene Piloten geeignet. Als Anfänger sollte man nach einigen Flugstunden diesen Modus auf freiem Feld bei möglichst wenig Wind testen, denn bei fehlendem GPS-Signal springt die DJI-Drohne automatisch in diesen Modus – in so einem Fall sollte man ihn kennen und wissen damit umzugehen.

  • Im Positionsmodus können TapFly (= Auto Follow), ActiveTrack, Hinderniserfassung und Positierungsfunktionen aktiviert werden. Man spricht hier vom stabilisierten oder allgemeinen Modus, nahezu alle Unterstützungssysteme werden genutzt und die Drohne lässt sich leicht steuern.

  • Im Sportmodus ist die Hinderniserkennung deaktiviert, dafür steht aber ein Plus an Geschwindigkeit zur Verfügung (bis zu 72 km/h), die Umsetzung der Befehle ist direkter, der “Bremsweg” länger. 

  • Der Stativ-Modus limitiert die Geschwindigkeit auf 7 km/h, für präzise Kontrolle und Flüge in geschlossenen Räumen.

Drohnen - Eine Odyssee

Rechtliche Grundlagen

Bei einer Google-Recherche nach den rechtlichen Grundlagen der Benutzung einer Drohne findet man unter den ersten Suchergebnissen die Seite des BMVI und dort einen Artikel über die Regeln zum Betrieb einer Drohne. Von dort aus kann man auf ein PDF-Dokument über die “Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten” zugreifen.

Mein Ziel lag in der gewerblichen Nutzung der Drohne, auf der Seite des BMVI erfahre ich, dass diese dann gemäß § 1 Luftverkehrsgesetz als unbemanntes Luftfahrtsystem gilt.

Da die Drohne eine Startmasse von 2 Kilogramm nicht überschreitet muss prinzipiell erstmal kein Kenntnisnachweis erbracht werden (dazu später mehr). Auch gilt erstmal die Erlaubnisfreiheit für den Betrieb der Drohne, sofern sie nicht

  • außerhalb meiner Sichtweite,
  • in und über sensiblen Bereichen,
    • z. B. Einsatzorten von Polizei und Rettungskräften, Krankenhäusern, Menschenansammlungen, Einrichtungen des Maßregelvollzugs oder von Verfassungsorganen, Industrieanlagen oder Naturschutzgebieten
  • über bestimmten Verkehrswegen,
  • in Kontrollzonen von Flugplätzen (auch An- und Abflugbereiche von Flughäfen),
  • in Flughöhen über 100 Metern über Grund,
  • über Wohngrundstücken,

fliegt. Außerdem gilt es zu beachten, dass die Panoramafreiheit nicht mehr gilt, sobald ein Hilfsmittel, wie eine Drohne, benutzt wird.

Einige dieser Punkte vertragen sich  leider nicht mit der zweiten Prämisse. Zwar plane ich keinen Drohneneinsatz über Einsatzorten von Polizei und Rettungskräften oder über Einrichtungen des Maßregelvollzugs / von Verfassungsorganen,  aber bei Veranstaltungen (und da kann es “leider” zu Menschenansammlungen kommen) und über Industrieanlagen. Die Erlaubnisfreiheit hat sich somit erledigt. Da eine solche Erlaubnis durch Landesbehörden ausgestellt wird wende ich mich an die schleswig-holsteinische Luftfahrtbehörde und erfahre von drei Antragsformularen (+ Kosten):

  • Betriebserlaubnis für ein Jahr (150,00 €)
  • Einzelerlaubnis nach 21a Abs. 1 LuftVO (ab 75,00 €)
  • Ausnahmegenehmigung nach 21a Abs. 1 LuftVO (ab 75,00 €) 

Unter den gegebenen Voraussetzungen benötige ich eine Betriebserlaubnis für ein Jahr.

Das zweite und dritte Antragsformular betrifft in meinem Fall den Betrieb einer Drohne in einer Entfernung von weniger als 1,5 Kilometern von der Begrenzung von Flugplätzen. Dieser Punkt wird auch von der Betriebserlaubnis für ein Jahr abgedeckt.

Betriebserlaubnis

Das Antragsformular zur Betriebserlaubnis für ein Jahr umfasst….

Weiterhin wurde von mir “ein Schulungsnachweis bzw. Angaben zu Kenntnissen und Erfahrungen des Steuerers” verlangt.

Da ich bis dato keine Schulung mitgemacht hatte blieb nur die Erfüllung des zweiten Punktes. Zu meinem Glück habe ich mich bereits zuvor mit Literatur zu diesem Thema eingedeckt:

Weiterhin verfügte ich zu diesem Zeitpunkt bereits über ein kleines Repertoire von Erfahrungen durch circa 20 Flugstunden bei verschiedenen Bedingungen.

Nach etwas mehr als einer Woche erhielt ich die Erlaubnis zum Betrieb von unbemannten Fluggeräten und die Zulassung einer Ausnahme von den Betriebsverboten gemäß § 21b Absatz 1 Nr. 2.1., 5, 7 und 9 LuftVO.

Weitere notwendige Genehmigungen

Aufnahmen über der Nord- und Ostsee

Durch die Zulassung einer Ausnahme von den Betriebsverboten gemäß § 21b Absatz 1 Nr. 2.1., 5, 7 und 9 LuftVO kann ich die Drohne nun in weniger als 100 m seitlichen Abstand von Bundesfernstraßen, Bundeswasserstraßen und Bahnanlagen betreiben, dabei muss die Höhe des Fluggeräts über Grund stets kleiner als der seitliche Abstand zur Infrastruktur und der seitliche Abstand zur Infrastruktur stets größer als 10 Meter sein. Weiterhin darf ich diese unter bestimmten Voraussetzungen überfliegen.

Da so ziemlich die gesammte Ostseeküste (und auch die Nordseeküste) als Bundeswasserstraße gilt kann ich so noch keine Aufnahmen vom Wasser aus machen, da ich dafür über der Bundeswasserstraße verweilen müsste. Ich benötigte daher noch die Zulassung einer Ausnahme vom WSA. Für die Ostseeküste ist das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Lübeck​ zuständig.

Aufnahmen in der Nähe von Verfassungsorganen

Einige Fotoziele konnten nur fotografiert werden indem weniger als 100 m seitlicher Abstand von Verfassungsorganen des Bundes und des Landes bestanden (Polizeidirektionen, Gerichte, …). Von jeder betroffenen Stelle ist in so einem Fall die ausdrückliche Zustimmung einzuholen.

Aufnahmen in der Nähe von Krankenhäusern

Einige Krankenhäuser verfügen über Helikopterlandeplätze in diesen Fällen muss man in die Alarmierungsschleife für den Fall der Gleichzeitigkeit von Drohnenflug und Hubschrauberlandung eingebunden werden.

Drohnenführerschein

Da der “Drohennfrüherschein” durch die EU-Regelung ohnehin notwendig werden wird werde ich an einem entsprechenden Kurs teilnehmen. Die Stellen, bei denen ein solcher Kenntnisnachweis erlangt werden kann, werden durch das Luftfahrt-Bundesamt zertifiziert. Ein solcher Flugkundenachweis im Sinne des § 21a Abs. 4 Satz 3 Nr. 2 LuftVO ist nach Ausstellung für fünf Jahre gültig. Nach Ablauf muss der Drohnen-Führerschein erneut abgelegt werden.

Als Kopter-Profis bieten wir seit 2012 erfolgreich Seminare und praktische Workshops für Steuerer von Drohnen an. Im Juli 2017 wurden wir als einer der ersten Anbieter in Deutschland vom Luftfahrt-Bundesamt (LBA) als anerkannte Stelle nach § 21d LuftVO zugelassen (DE.AST.012), ein Jahr später für die Internet gestützte Abnahme der Prüfung online.

Die Kopter-Profi GmbH (Zulassungsnummer des LBA: DE.AST.012) bietet einen Kurs und die dazugehörige Prüfung online an. Das ganze soll 299 € kosten und besteht aus einem Online-Kurs mit 7 Lerneinheiten. Das Prüfungswissen wird unter anderem durch Seminar-Videos oder PDF-Skripte vermittelt.

Erfahrungen folgen.

Link-Tipps

Empfehlungen

Apps

  • DFS Drohnen App
  • DWD Warnwetter App
  • UAV Forecast
  • Map2Fly

Bücher

Drohnenzubehör

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